Henry Dunant
Dunant

Gründer des Roten Kreuzes

* 08.05.1828 in Genf

† 30.10.1910 in Heiden (CH)

Dunant
Das Leben des Henry Dunant
In Genf erblickt Henry Dunant das Licht der Welt. Schon früh begleitet er seine Mutter, die jede Woche die Arbeiterviertel von Genf aufsucht, um den armen Menschen dort zu helfen. So kommt es, dass er selbst von seinem 18. Lebensjahr an seine freien Abende und die Sonntage damit verbringt, Armen zu helfen und Gefangene zu besuchen. 1853 kommt er im Dienst der Genfer Gesellschaft für die Kolonien von Setif nach Algerien. Er stellt dort bald fest, dass es an vielem fehlt, hauptsächlich an Getreide und Mühlen. Henry Dunant gründet daraufhin eine Mühlenaktiengesellschaft mit dem Ziel, Algerien zur Kornkammer Nordafrikas zu machen.

Zu dieser Zeit tobt der Krieg zwischen Sardinien-Piemont und Österreich. Henry Dunant macht sich auf, um Napoleon III., der sich in Italien befindet, für die landwirtschaftlichen Projekte Algeriens zu interessieren. Auf seiner Reise wird er Zeuge der furchtbarenSchlacht von Solferino.Er erlebt, wie sich die Menschen aus der Umgebung um die Verwundeten kümmern, ohne Ansehen der Nationalität, einzig nach dem Maß der Not. Er selbst hilft bis zur Erschöpfung mit, organisiert Geld und Medikamente, um dringendste Not zu lindern. Er sieht aber auch, dass die Hilfe nicht systematisch, sondern nur laienhaft erbracht werden kann. Und so beginnt in ihm eine Idee zu reifen, die einmal zur Grundlage für die größte Hilfsorganisation dieser Welt werden sollte - die Idee vom Roten Kreuz.

Nach der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz wird im Oktober 1863 auf Dunants Initiative in Genf eine Konferenz abgehalten, mit dem Ziel, eine internationale Vereinbarung zur Verbesserung des Schicksals der Kriegsverwundeten zu treffen. Am 22. August 1864 unterzeichneten Delegierte aus 16 Nationen die "Genfer Konventionen". Eine große Genugtuung für Henry Dunant.
Aber in seinem privaten Leben bricht kurze Zeit später alles zusammen. Er verliert sein algerisches Unternehmen, sein ganzes Vermögen und sogar den Sitz als Sekretär beim Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Hunger und Krankheit sind fortan seine Weggefährten. Trotzdem setzt er sich weiter persönlich für Kriegsgefangene ein, riskiert sein Leben, um das einzelner Soldaten zu retten.

Elf Jahre lang irrt Henry Dunant auf seiner Mission für die Durchsetzung der Genfer Konventionen durch ganz Europa. Er schläft auf Bahnhöfen und in Grünanlagen, hat oft nur ein einziges Stück Brot am Tag zu essen. Dann findet er schließlich nach Heiden hoch über dem Bodensee. In der Beschaulichkeit des kleinen Ortes scheint er endgültig in Vergessenheit zu geraten.
Der Schleier des Vergessens beginnt sich im Jahre 1892 zu lüften. In Anwesenheit von Kardinal Langeérieux beendet Domherr Broyé eine Messe in der Kathedrale von Reims mit den Worten: "Erlauben Sie mir, hier den Namen eines Mannes zu nennen, dem wir den Fortschritt der brüderlichen Nächstenliebe verdanken: Es ist Henry Dunant. Ein Mann, der ein solches Werk schuf, gehört nicht mehr einer einzigen Nation, sondern der gesamten Menschheit an !"

Georg Baumberger, ein Journalist, besucht daraufhin Dunant in Heiden und berichtet über diesen Besuch in der Deutschen Illustrierten Zeitung. Die Welt hat ihn wieder. Briefe, Geschenke, Bewunderungen von überallher. Freunde setzten sich für ihn ein, bringen das Rote Kreuz und Henry Dunant wieder ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit. Am 10. Dezember 1901 erreicht ihn ein Telegramm aus Christinia, Norwegen: "An Henry Dunant, Heiden. Das Nobelkomitee des norwegischen Parlaments hat die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass es den Friedensnobelpreis 1901 je zur Hälfte an Sie, Henry Dunant, und an Frédéric Passy verliehen hat. Das Komitee sendet seine Ehrerbietung und seine aufrichtigen Wünsche."

Am 30. Oktober 1910 stirbt der "Mann in Weiß", wie er auf dem Schlachtfeld von Solferino genannt worden war, in der Stille Heidens. Das große Vorbild aller Menschen der Tat vom Roten Kreuz.

 

Zitate aus dem Werk von Henry Dunant

" ... Sollte nicht der Anblick der jungen Invaliden, die einen Arm oder ein Bein verloren haben, und die traurig nach Hause zurückkehren, Gewissensbisse bei uns erwecken oder zum mindesten ein Bedauern, dass wir nicht alles versucht haben, um den verderblichen Folgen von Wunden zu begegnen, die durch schnelle und wirksame Hilfe noch hätten geheilt werden können? ... "Genfer Konventionen

" ... Das Personal der Feldlazarette reicht niemals aus; selbst wenn es doppelt oder dreimal so stark wäre, könnte dies doch nicht genügen, und so wird es auch immer bleiben. Daher ist es unvermeidlich, dass man auf die Hilfe der Bevölkerung zurückgreifen muss, man ist hierzu gezwungen, und man wird immer hierzu gezwungen sein, denn nur durch Zusammenarbeit mit der Bevölkerung wird man das Ziel erreichen, um das es sich hier handelt. Daher muss man einen Aufruf erlassen, eine Bittschrift an Männer aller Länder und aller Stände, an die Mächtigen dieser Welt wie an die einfachen Handwerker, denn alle können auf die eine oder andere Weise, jeder in seinem Kreise und seiner Kraft gemäß, irgend etwas zu diesem guten Werke beitragen. "

"... Es sollen freiwillige Hilfsgesellschaften gegründet werden, deren Zweck es ist, die Verwundeten in Kreigszeiten zu pflegen oder pflegen zu lassen. Diese Gesellschaften würden in Friedenszeiten bei Seuchen und Überschwemmungen wichtige Dienste leisten können. Sie wären dann auch für den Fall des Krieges organisiert. Ihr Hilfswerk sollte unverletzlich sein... "

 

Gegenwart

Bereits 1863 wurde auch die erste Rotkreuzgemeinschaft in Deutschland gegründet, der Württembergische Sanitätsverein, bis 1866 wurden weitere Rotkreuzgemeinschaften in Deutschland gegründet: Oldenburg, Preußen, Mecklenburg-Schwerin, Hamburg, Hessen-Darmstadt, Sachsen, Baden und Bayern. 1921 kam es dann Zusammenschluß und zum Deutschen Roten Kreuz e.V.. In der NS-Zeit konnte sich zwar das Deutsche Rote Kreuz erfolgreich wehren, in eine NS-Organisation umgewandelt zu werden, mußte aber erhebliche Eingriffe seitens der NS-Staates hinnehmen. So wurden die Wohlfahrts- und Jugendarbeit ausgegliedert. Nach Kriegsende gingen die Besatzungsmächte unterschiedlich vor: Amerikaner und Engländer förderten die Rotkreuzarbeit, Frankreich ließ erst später die Neugründung zu, die UdSSR untersagten ab Oktober 1945 jegliche Rotkreuztätigkeit.

Am 04.02.1950 wurde durch die Landesverbände das Deutsche Rote Kreuz e.V. mit Sitz in Berlin und der Geschäftsstelle in Bonn neugegründet. Der neue Verband wurde am 26.02.1951 von der Bundesregierung und am 26.6.1952 vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) anerkannt. Am 24.7.1952 wurde das DRK in die Liga der Rotkreuzgesellschaftenaufgenommen.

Die Genfer Konventionen sind völkerrechtliche Verträge, die das Ziel haben, das Los von Kriegsopfern zu mildern. Darin verpflichteten sich diese Staaten, im Krieg gewisse Regeln einzuhalten. Dieser Vertrag wurde immer wieder den sich ändernden Verhältnissen angepaßt. Besonders nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1949. Damals erarbeitete man vier Abkommen, die heute in mehr als 160 Staaten Gültigkeit haben:

Genfer Konventionen
  • Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde (Umfassung 1864)
  • Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte zur See (Umfassung 1907)
  • Behandlung der Kriegsgefangenen (Umfassung 1929)
  • Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten (1949

Das Int. Komitee v. Roten Kreuz (IKRK) entwarf in den Jahren 1974 bis 1977 zwei Zusatzprotokolle, die das internationale humatitäre Recht weiterentwickeln sollten. Leider hat bis heute allerdings nur eine Minderheit der Staaten diese Zusatzprotokolle unterzeichnet: 49 Staaten das erste Protokoll über internationale, 42 Staaten das zweite über interne bewaffnete Konflikte. Weder die Großmächte mit Ausnahme Chinas, noch die Bundesrepublik Deutschland haben bisher unterzeichnet

Heute gibt es 155 nationale Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. 177 Staaten haben die Genfer Abkommen, 121 das Abkommen I und 112 das Abkommen II anerkannt.